Die Idee eines Kulturschuppens in Huttwil wurde im Herbst 1995 von ein paar aus dem Übungsraum geworfene Musiker, Kulturschaffende ohne Heimathafen und den Genossenschafter der WGH Hofmattstrasse 37, die ein Verwendungszweck für den ehemaligen Feuerwehrraum suchten, in ungezählten feucht-fröhlichen-erwartungsvollen Sitzungen geboren.
Wie immer, wenn sich Freiräume ergeben und kulturell Interessierte ein kreatives Überdruckventil suchen, wurden die Ideen, was mit diesem Raum anzufangen sei, mehr und   mehr. Die Vorstellungen wucherten vom Übungsraum für Band`s, Atelier`s für Künstler, Ausstellungsraum, Konzertraum, Beiz usw. ins Unermessliche. Man merkte jedoch schnell, dass nicht alles möglich ist. In der Folge schieden einzelne Ideen und Interessierte aus, andere kamen hinzu, bis man den einen Nenner gefunden hatte: Ein Raum für Konzerte, Theater, Film und Kurse, der für alle Kulturinteressierte in Huttwil und Umgebung offenstehen sollte.

Erster Meilenstein: Die Sitzungen
 
Die Crew war sich bewusst, das viel Arbeit anstehen würde, um dem Raum eine Infrastruktur und ein Gesicht zu verschaffen. Man einigte sich darauf, jeden letzten Montag im Monat eine Sitzung zu machen (mittlerweile Dienstag). Dies hat bis zum heutigen Tag Bestand und sich bewährt. So trifft sich die Kerngruppe um anstehende Veranstaltungen, Arbeiten und Probleme zu diskutieren und zu lösen. Meistens läuft es rund ein andermal gibt es Zoff. Wie im richtigen Leben. Diese Sitzungen wurden explizit als offene Plattform definiert, Jedermann/frau ist willkommen, ob zum Mitreden oder auch nur zum Mithören. 
 
Zweiter Meilenstein: Die Namensgebung
 
An einer dieser ersten Sitzungen brachte ein Kerngruppenmitglied einen Vorschlag für einen Namen des Projekts und gleich auch das dazugehörige Logo mit: Das Improvisohrium (dazumal noch mit „h“). Wurde an der Sitzung sogleich ohne grosse Disskusion gutgeheissen. Das Impro war geboren!
Improvisohrium weshalb? Wir wussten dazumal noch nicht, wie lange wir in diesem Raum bleiben konnten, daher Provisorium. Am Anfang war vieles improvisiert, daher Impro.
Impro wurde auch schnell die gängige Kurzbenennung. Im Logo befinden sich ein Ohr für Hören, ein Stern für die kulturelle Strahlkraft in Huttwil, die wir uns erhofften. Ein Auge für das Sehen und dafür, dass es bei uns etwas zu sehen gibt. Ein Mund für die Leute auf der Bühne, die etwas zu sagen haben und etwas bieten. Und eine Spirale weils so schön passt. Dieser Name und der Schriftzug begleitet uns heute noch und ist bis weit über die Region zu einem Begriff geworden. Was uns natürlich stolz macht.
 
Man wollte veranstalten. Also brauchte es eine Infrastruktur. Durch den Winter 95/96 baute, mauerte, plättlete, schreinerte die Improcrew an diesem Raum mit Vollgas. Vieles wurde sozusagen aus dem Nichts gezimmert, weil schlichtweg kein Geld vorhanden war. Die erste Bar wurde aus Dachlatten zusammengeschraubt, die Schallschutzeinrichtungen für die Fenster aus Schwartenladen mit Eierkartons tapeziert und das WC war eine Etagentoilette in einem Nachbargeäude.
 
Dritter Meilenstein: Die erste Veranstaltung
 
Die erste Veranstaltung war ein Konzert im März 96. Die ersten Band`s die spielten bestanden allesammt aus Kollen und Bekannten der Improcrew und/oder mit Leuten die im Impro aktiv waren. So gings los und Mal für Mal fanden sich wieder neue Band`s die bei uns spielen wollten. Es lief rund und wir waren richtig stolz.
 
Oft stauten sich an Konzerten 200 Leute im und ums Impro, was uns gleichzeitig riesig freute und andererseits ein logistischer Alptraum war. Die Publikumsresonaz war für uns erstaunlich und unerwartet, nicht ganz unerwartet meldeten sich dann aber die Nachbaren. Wir sahen uns gezwungen, schallschutz- und hygienetechnische Verbesserungen anzubringen.
 
Vierter und fünfter Meilenstein: Schallschutzwand und WC-Anlage
 
In einem personellen und finanziellen Kraftakt, zog die Improbaugruppe im Raum eine Schallschutzwand hoch und zwei Jahre später war auch die WC-Anlage fertiggestellt. Dies auch auf Druck der Obrigkeit, dazu unten mehr.
Für die Schallschutzwand wurde ein doppelflügliges Tor aufgetrieben und in der Wand eingebaut und gleichzeitig als Notausgang ausgebaut. Die Wand verputzt und gedämmt.
Für die WC-Anlage wurde eine ehemalige Holztrocknungsanlage zurechtkompressert, geplättelt, gemauert und mit Ableitungen und Zuleitungen versehen. Die Einrichtung holte die Baugruppe aus einem Abrissobjekt der Schule Ufhusen. Zwei Handwerker installierten die Heizung und Wasserleitungen mit professioneller Fachkenntniss in Fronarbeit. So konnte der finanzielle Aufwand in Grenzen gehalten werden. Wir waren im Abschluss der Arbeiten und Ausgestaltung der WC-Anlage derart begeistert, dass wir von der schönsten WC-Anlage aller Kultureinrichtungen der Schweiz sprachen. Was wohl stimmte. Leider war das Deko nicht ganz vandalensicher.
 
 
Über die Jahre blieb das Impro lebendig und erfand sich immer wieder neu. Auch programmmässig entwickelte sich eine Dynamik. Hauptsächlich wird im Impro das veranstaltet, was die Leute, welche im Impro mitmachen, gerne veranstalten möchten. Konzerte der Bands aus der Region sind seit Anfang der Schwerpunkt des Programms. Waren am Anfang viele Luzerner Hinterländer im Impro mit dabei, so traten auch viele Luzerner Band`s auf, dann kamen Leute aus Sumiswald und Langenthal dazu, was sich im Programm mit vielen Emmentaler und Langenthaler Band`s bemerkbar machte.  
Je nach Veranstalter sieht das restliche Programm anders aus. Vom anfänglichen Ska- und Punkschuppen verschob sich das Augenmerk zum Jazz und improvisierter Musik, dann waren Theater und Slampoetry proportional gut vertreten oder auch Metal Konzerte.So gab es jedes Wochenende fast zwei Anlässe.
 
Sechster Meilenstein: Die Lüftung
 
Anfänglich ging im Impro die Tranksame ohne den Segen eines Amtes über die Theke. Die fragten dann irgendeinmal doch bei uns nach, wo denn die Bewilligung zum Wirten sei. Öh, haben wir nicht. Nun denn, sie gaben uns eine provisorische Bewilligung zum Wirten, aber wir mussten uns zu etwelchen Auflagen verpflichten. Die Auflage der WC-Anlage war so ein Punkt, die Hygiene hatten wir mit dem plätteln des Barbereiches erfüllt. Was fehlte war die Lüftung. Wir mussten dies jahrelang vor uns herschieben, weil wir schlichtweg das Vermögen nicht hatten um uns diese zu leisten. Nach diversen Benefizveranstaltungen hatten wir das Geld zusammen und konnten diese Aufgabe in Angriff nehmen. Es wurde zum kostenintensivsten Vorhaben, dass wir jemals umgesetzt haben. Darob ging auch unser ganzes Vermögen drauf, welches wir für unsere irische Whisky-Reise zum zehnjährigen Jubiläum aufgespart hatten.
 
Mittlerweile ist das Programm kunterbunt gemischt und etwa alle zwei Wochenende findet eine Veranstaltung statt. Das Impro hat sich speziell, im Verlauf der Jahre, zu einer sehr guten Adresse für Jazzmusiker entwickelt, sie kommen gerne und wieder. Ab 2003 gibt es im November das NovJazz-Festival. Ein zweitägiger Anlass ganz dem jungen und avantgardistischen schweizer Jazzschaffen gewidmet. Auch ist es zur Heimatbühne für das KAJ-Theater geworden. Eine Truppe junger Theaterenthusiasten, welche seit sieben Jahre jedes Jahr ein Stück auf die Bühne bringt und im Impro Premiere feiern. Etwas worauf wir uns jedes mal wieder freuen.
 
Siebter und vorläufig letzter Meilenstein: Das Internetzeitalter
 
Etwa zur gleichen Zeit wie die Lüftung breitete sich im rasenden Tempo ein neues Phänomen auf dieser Erde aus: Das Internet. Wir wollten und wir mussten dabei sein. War die Reklame und Öffentlichkeitsarbeit bis anhin mit Plakis und Zeitungsberichten gelaufen, sollte unser Internetauftritt den Anschluss an die neue Zeit bewerkstelligen. Auch die vielen, sogennanten „sozialen Plattformen“, bieten neue Möglichkeiten und Aufgaben, der sich ein Veranstaltungsort stellen muss
 
Das Impro ist nun gut 15 Jahre alt. Nach den freudigen Aufbruchjahren und der Konsolidierung als Kulturtreffpunkt in Huttwil hoffen wir unser Ding noch lange durchziehen zu können. Denn es braucht nicht nur ein grosses Engangement von Seite der Veranstalter, sondern auch die Wertschätzung der Besucher und Besucherinnen wie auch die Toleranz der Nachbarn. Die hatten wir bis anhin. Wir hoffen noch viele schöne Stunden und kulturelle Höhepunkte im Impro erleben zu dürfen.







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